21 Dezember 2003 - Ushuaia, Argentinien
Hallo Freunde
Ich habs geschafft - ich bin in Ushuaia angekommen. Die suedlichste Stadt
der Erde, das erste grosse Ziel meiner Reise habe ich erreicht. Es war ein
unglaubliches Gefuehl nach fast 6000km und vier Monaten Reise endlich hier
anzukommen. Da es in stroemen regnete, konnte man meine Freudenstraenen nicht
sehen.... Bei der Stadteinfahrt hielt mich ein Polizist auf und begruesste
mich mit den Worten: "Bienvenido en la ciudad de Ushuaia!" (Willkommen in
der Stadt Ushuaia) Ich gab ihm die Hand, umarmte ihn und fuhr weinend zum
Zeltplatz.
Auf den letzten paar Kilometer wechselte die Landschaft unglaublich. Vom
kargen, fegetationslosen und windgepeitschten Patagonien ging es ploetzlich
ueber in die Berge, die Strasse war gesaeumt von dicken Waeldern und ueberall
flossen ploetzlich Baeche. Obwohl ich mit dem Velo recht langsam unterwegs
bin, ging mir dieser Wechsel viel zu schnell! Ich musste stoppen und dieser
Wechsel erst einmal verarbeiten.
Seit Rio Gallegos durfte ich wieder wahnsinnige Sachen erleben. Ich traf
zum Beispiel einen Arbeiter auf der Estancia Condor, der mir von seinen 30
Geschwistern erzaehlte. Gefragt danach, welche Nummer er sei, nahm er die
Finger zur Hilfe und meinte, er sei die Nr. 22. Bei Nachzaehlen merkte er
dann, dass er doch die Nr. 21 ist...
Als ich am naechsten Tag die chilenische Grenze ueberquerte, empfing mich
Chile mit Regen. Ich hatte keine Lust da weiter zu fahren und sass mich in
die Zollstation. Ich sprach mit den Polizeibeamten und nach einer Zeit fragte
ich dann, ob sie mir nicht irgendwo ein Dach ueber dem Kopf anbieten koennen.
Und ob sie dass konnten! Tratt ich zur Tuere raus, sah ich gerade auf die
Zollabfertigung. Bei einem weiteren Gespraech spaeter am Abend gab mir der
Chef noch den Namen seines Freundes bei der naechsten Grenze. Als ich mich
dort nach diesem Alfredo erkundigte, meinte der Grenzbeamte, ob ich Christian,
der Schweizer mit dem Fahrrad sei?! Sie haben drum schon ein Mail bekommen,
dass ich bald einmal einfahren werde. Ich wurde ins Haus gerufen und eine
Flasche Champagner wurde entkorkt....
Um meine Fahrt auch noch etwas weihnachtlich zu gestalten, kaufte ich mir
in Rio Grande einen Weihnachtsstern, den ich mir hinten ans Fahrrad band.
So fuhr ich die letzten 220km mit diesem Stern. Ich dachte, dass dies eventuell
ein paar Autos zum halten bewegen wuerde. Doch dies war nicht der Fall. Sie
dachten wohl, ich sei da auf irgend einer christlichen Mission. Da ich mich
am 11.August, als ich die Schweiz verliess, das letzte Mal rasierte, sah
ich sehe ich naemlich nun schon fast wie ein Samichlaus aus....
Euch, liebe Freunde in der Schweiz, wuensche ich ganz schoene und hoffentlich
weisse Weihnachten. Vielen herzlichen Dank fuer all die Mails, die ich in
den letzten Monaten von euch erhalten durfte. Ich freue mich ab jedem einzelnen
Mail und darf dabei merken, wie sehr ihr an mein Unterfangen glaubt! Dies
gibt mir viel Kraft und hat mich nach schwierigen Tagen am naechsten Morgen
wieder aufs Velo gebracht. Besten Dank!!!!
Liebe weihnachtsgruesse aus Ushuaia
Chrigu
Ushuaia, Argentina