29 April 2004 - Santiago, Chile
Hallo Freunde
Fast drei Stunden habe ich mich durch den Verkehr von Santiago gekaempft,
bevor ich bei der Plaza de Armas, dem hauptplatz der chilenischen Hauptstadt
angekommen bin. Ich wurde von Christian, einem deutschen Studenten empfangen,
in wessen Bude ich fuer ein paar Tage untergekommen bin. Ich werde nun vom
Grossstadtlaerm geweckt und atme nach Monaten purer Naturluft wieder einmal
puren Stadtsmog ein....
Um dem Regen in chiles Sueden zu entfliehen trat ich kraeftig in die Pedale,
so dass ich bald einmal in Concepcion ankam. Jorge, den ich zusammen mit
seiner Freundin auf der Carretera Austral getroffen habe, als sie mit dem
Fahrrad aus Norden her angefahren kamen, hatte mich zu sich nach Hause eingeladen.
Die beiden trafen nicht nur mich, sondern unter andern auch drei spanische
Velofahrer, die auch eine Einladung nach Concepcion erhielten. Lustigerweise
waren wir Fahrradfahrer gleichzeitig bei ihm. Der Platz in der Wohnung wurde
knapp und so fuhren wir weiter. Alleine kam ich in Concepcion an; in guter
Begleitung verliess ich die Stadt wieder.
Es folgten herrliche Tage an der Pazifickueste. Sieben Tage fuhren wir zusammen
der Kueste entlang in Richtung Norden. Der Weg fuehrte durch bewaldedtes
Landesinnere oder direkt am Meer entlang. War die Landschaft eben, so flogen
wir meistens auf Asphalt ueber die Strasse. Stellten sich Huegel in den Weg,
machte der Asphalt einer Schotterstrasse platz und schweisstreibende Aufstiege
folgten. Wir fuhren schoensten Straenden entlang und erreichten wir einer
der vielen Kuestenhuegel, so eroeffnete sich uns eine herrliche Sicht; links
der unendlich scheinende Pazific - rechts die schneebedeckten Anden.
Bei den drei Spaniern handelte es sich um Paco (38j), Juli (37j) und Josechu
(36j). Paco radelt seit Januar von Ushuaia hoch. Juli und Josechu hingegen
sind schon 4.5Jahre unterwegs! Sie durchquerten Afrika, Teile Asiens sowie
Australien, bevor sie nun hier nach Suedamerika kamen. Spannend waren die
Geschichten der vielen Erlebnisse, von welchen sie zu berichten wussten.
Ich machte mir da so meine Gedanken und nahm mir Zeit fuer einen Rueck- sowie
Ausblick meiner Reise.
Ich bin nun etwas mehr als acht Monate unterwegs. Vor kurzem habe ich meinen
10'000Kilometer zurueckgelegt. Ich fahre fast taeglich an aufregenden Landschaften
vorbei und treffe spannende Leute. Wieso sollte nicht auch ich so lange unterwegs
bleiben wie Juli und Josechu? Paco fragte mich eines Abends, wo denn meine
Fahrradweltreise noch ueberall durchfuehren soll. Weltreise?! Bin ich auf
einer Fahrradweltreise?!?!?!
Nach meinem in der Schweiz gemachten Plan haette ich mitte Maerz hier in
Santiago sein wollen. Im September wollte ich an meinem Ziel in Ecuador ankommen.
Nun ist bald Mai und Ecuador scheint so fern wie eh und jeh. In meinem Kopf
wimmelt es nur so von Reiseideen. Fahre ich relativ schnell ueber Bolivien
und Peru nach Ecuador? Oder pedale ich zu den Iguazuwasserfaellen, wo ich
unterwegs Leute besuchen und in einem Restaurant arebiten koennte? Oder arbeite
ich waehrend des kommenden Winters in Argentinien als Snowboardlehrer?
Was weiss ich?! Sicher ist, dass ich sehr bald nicht in die Schweiz zurueckkehren
werde. Viel eher bleibe ich noch eine Weile in Argentinien oder fahre nach
Ecuador und weiter - wer weiss wohin!? Kann es sein, dass mich die Spanier
mit irgend einem Weltreisevirus angesteckt haben? Ich fuehle mich wohl in
der grossen weiten Welt, und solange dies so ist, soll es auch so bleiben.
So wuensche ich euch allen eine schoene Fruehlingszeit und freue mich auf
ein Wiedersehen, auch wenn dies nicht sehr bald sein wird...
Gruss Chrigu
Santiago, Chile